Makramee-Mania

In Zeiten wie diesen, in denen ich im Einzelhandel nicht voll arbeiten kann, keine Kurse für die Uni mehr besuche – weil ich nicht mehr studiere – und den Rest meiner neu gewonnen Freiheit mit der hochgradig demotivierenden Aufgabe verbringe geeignete Jobangebote zu finden, mich zu bewerben und mit etwas Glück ein Gespräch zu bekommen, ja da sehnt man sich nach einem Zeitvertreib, der erfüllender ist. Ich wollte etwas tun, das mich außerhalb von einem Bildschirm beschäftigen kann. Meine Finger sollten nicht nur über die Tasten tanzen oder Blätter umschlagen.
Zu meinem Glück kam mit der Pandemie eine Welle aus immer neuen Möglichkeiten, wie man sich während der Zeit in den eigenen vier Wänden beschäftigen konnte.
So entdeckte ich – letztendlich – Makramee!

Falls euch irgendwie der Hype um diese multifunktionale Knotenkunst entgangen sein sollte, folgt hier eine kurze Einführung.
Makramé ist die spanische Schreibweise einer jahrhundertealten Knüpfkunst aus dem Orient, die mit den Kreuzrittern und den Mauren (= eine diverse Volksgruppe, welche oft als in Nordafrika lebende Berberstämme beschrieben werden) über die Iberische Halbinsel nach Europa kam. Aber auch in anderen Kulturen finden sich geknotete oder geknüpfte Kunstwerke dieser Art, so z.B. in China oder Lateinamerika. Ob Makramé oder Makramee, beide Schreibweisen sind bei uns richtig.

Die Mikrogeschichtsstunde ist zu Ende und ihr wisst nun vielleicht noch immer nicht was man genau knüpfen und knoten kann. Keine Angst, dazu jetzt mehr.

Die Möglichkeiten ein Makramee zu knüpfen sind so ziemlich unendlich. Je nach Knoten- und Garnart, sowie Dicke, lässt sich Unterschiedlichstes herstellen. So z.B. der klassische Wandbehang, Schmuck- und Schlüsselanhänger, Pflanzenampeln, Vorhänge, Untersetzter, Einkaufsnetze, Dekorationen für Vasen und Töpfe, kunstvolle Rahmen und vieles, vieles mehr kann aus Makrameegarn hergestellt werden.
Hat man sich entschieden was man nun knoten möchte, dann folgt die Frage nach den Art der Knoten. Online gibt es dazu unzählige Anleitungsbilder, Videos und Beschreibungen, mit denen ihr die Knotentechniken schnell lernen könnt. Außerdem sind Seiten wie Pinterest oder YouTube tolle Anlaufstellen für Inspirationen, sowohl für Anfänger:innen als auch erfahrende Knotende.

Was also braucht man z.B. für einen Makramee-Wandbehang? Zuallererst natürlich das Garn. Dafür habe ich direkt Makrameegarn bestellt (3mm Dicke und 100m lang) und, weil ich mir für meinen ersten Wandbehang etwas besonderes ausgesucht hatte, Baumwollflies. Ansonsten sind noch Schere und natürlich ein Ast – oder etwas dergleichen (Metallstange, Gardinenstange etc.) zum Aufhängen wichtig. Zudem habe ich mir ein für Makrameegarn geeignetes Nadel-Set besorgt, um die Enden mancher Knoten richtig sichern zu können.
So sah am Ende mein erstes Knotwerk aus.
WhatsApp Image 2021-05-04 at 17.40.04Oft sieht man bei Anleitungen für bestimmte Wandbehänge, oder Ähnliches, konkrete Vorgaben wie lang die einzelnen Seile sein müssen. Ich habe mich auf das Abmessen mit meiner Armspannweite beschränkt und auch oft improvisiert. Allgemein ist mehr immer besser, denn zu kurze Fäden können am Ende das Gesamtbild ziemlich vermiesen.

Zu meiner großen Überraschung haben meine Katzen das selbstgemachte Seilspielzeug besser angenommen als erwartet. Ich glaube es ist sogar ihr liebstes Spielzeug von allen, die ich ihnen je gekauft habe. Das mag vor allem daran liegen, dass es ein dickes Bündel aus einzelnen Fäden ist und Fäden waren schon immer die Nr.1, ob in Form von Schnürsenkeln, Nähgarn oder Verpackungsband.

Seit meinen ersten Versuchen ist nun schon etwas Zeit vergangen und ich fühle mich mit den unterschiedlichen Knotenarten und der riesigen Auswahl an möglichen Dingen, die man knoten kann, einfach immer wohler. Man findet immer neue Ideen und Knotmuster, die in unterschiedlichster From Anwendung finden. So habe ich z.B. einen kleinen Dekobehang über meiner Balkontür angefertigt. Es ist ein wirklich schönes und schlichtes Element in meiner Wohnung, das ich in naher Zukunft noch mit einer Lichterkette – und irgendwann später einmal – mit Kristallen erweitern möchte.
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Falls es euch bis jetzt nicht aufgefallen ist, dann hier einmal ganz deutlich: Makramee sind gefährlich süchtig machend. Weiß man erst einmal, dass man wirklich viel selbst knüpfen kann, es am Ende auch noch schön aussieht und Freund:innen und der Familie gefällt, dann gibt es eigentlich kein Ende mehr.
Mit einem endlos scheinend Vorrat an Ästen – aus dem Holzschuppen meiner Eltern – und immer neuen Ideen, sehe ich mich noch vieles, vieles mehr erschaffen. Meine nächsten Projekte werden wahrscheinlich in Richtung Obst-/Einkaufsnetze und Vorhänge gehen und viele weiter Dekoartikel. Wahrscheinlich bis meine Wohnung damit aus allen Nähten platzt.

Nun meine Fragen an euch: Habt ihr von dem Hype mitbekommen, oder knotet ihr vielleicht schon viel länger? Habt ihr Tipps und Tricks für Anfänger? Falls ihr Makramee noch nicht selbst gemacht habt, habt ihr Lust darauf bekommen?
Im Laden können Makrameeartikel teilweise wirklich teuer werden und sie sind schnell und auch kostengünstig (quantitativ) selbst herzustellen.

Falls ihr also nach einem neuen Zeitvertreibt sucht, keine Lust auf überteuerte Dekorationen habt oder Geschenkideen benötigt, dann auf die Knoten, fertig, los!

Ein Gedanke zu “Makramee-Mania

  1. Ich habe Makramee schon vor vielen Jahren für mich entdeckt, habe es dann aber – zu Gunsten anderer Freizeitaktivitäten – wieder vernachlässigt. Im Lockdown habe ich, genau wie Du, die alte Kunst wieder aufleben lassen. Ich habe z. B. eine Blumenampel geknüpft, oder einen Traumfänger … es gibt ja unzähliche Dinge, die man herstellen kann.

    Bald kommen nun wieder die langen und dunklen Herbst-/Winter-Abende. Da werde ich sicherlich die Makramee-Kiste wieder hevorholen. Alternativ zum Makramee habe ich Diamond Painting für mich entdeckt …

    LG Babsi

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